Our 9/11

Materialien zweier Augenzeugen des 11. Septembers 2001

Online seit 2005-12-03

Nine Eleven (Unforgettable), 2001

Intro

Diese Website verdankt ihr Zustandekommen einem unwahrscheinlichen Zufall: der Anwesenheit meiner Person und meines Kumpels Ralf Schuster in Manhattan, New York, N. Y., U.S.A. am 11. September 2001.

Viel ist über die Ereignisse dieses Tages berichtet worden, auch Berichte von Augenzeugen kamen nicht zu kurz. Warum publiziere ich nun, über 4 Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf das World Trade Center, dieses Material? - Nun, es handelt sich bei der vorliegenden Sammlung um Artefakte, um mit ästhetischer Absicht manipulierte Sinnesdaten. Diese Artefakte mögen dem Rezipienten etwas sagen oder nicht, jedenfalls sind es Formen der Mitteilung, die mit journalistischer Informationsaufbereitung rein gar nichts zu tun haben. Wer hier also nach bisher unbekannten Details oder Fakten über 9/11 sucht, wird enttäuscht werden. Wer nach einem "Gedächtnisabdruck" dieses Ereignisses in den Köpfen zweier zufällig involvierter Kreativer sucht, wird dagegen (hoffentlich) ordentlich bedient.

Nicht nur der Anschlag selbst, auch die oben genannten Artefakte, deren Präsentation sowie die Publikumsreaktionen auf diese Präsentation sind mittlerweile Teil meines (unseres) Lebens geworden. Mitunter habe ich gar den Eindruck, mithilfe dieser Kunstprodukte das "unmittelbare" Erinnern abgetötet, zumindest gebannt zu haben. Die Materialien überwölben mehr und mehr das Ereignis. Dies mag mit der Natur des menschlichen Erinnerns zu tun haben. Das über Jahre wiederholte Betrachten von Fotografien eines Ereignisses oder das Lesen von Berichten über ein Ereignis etc. scheinen das unmittelbar aufblitzende, unwillkürliche Erinnern daran langsam zu verdrängen. Eine reichlich bequeme, gesundheitsfördernde Einrichtung, wie ich eben feststelle, die, flott formuliert, unmittelbares, vielleicht unerträgliches, jedenfalls inkommensurables Erleben durch Mystifikationen ersetzt.

Als (alchimistisch?) Kreativer bin ich jedoch der Meinung, dass auch diese mystifizierenden Formen der Mitteilung Teil, sogar dringend notwendiger Teil, eines aufklärerischen Diskurses sein können. Die Freiheit subjektivistischer Ver(un)klärung dessen, "was der Fall ist" (Wittgenstein), muss möglich sein.

Im besten Falle erschafft diese Freiheit Artefakte, die den journalistischen Weltzugang in seiner Allgegenwart aufs Angenehmste unterwandern.

Eibelstadt, 2005-12-05

Stefan Hetzel